18.10.06

Russlanddeutsche - Ist die Integration gescheitert?

"... Die Russlanddeutschen genießen bis heute einen privilegierten Migrationsstatus. Als die nationalsozialistischen Truppen Russland besetzten, wurden sie als »Volksdeutsche« eingestuft und eingebürgert. Die nationalsozialistische Einbürgerung wurde von der Bundesrepublik 1955 bestätigt und war zunächst Grundlage für die begrenzte Möglichkeit einer Familienzusammenführung. Erst mit dem Ende der Sowjetunion wurde eine Migration nach Deutschland in großem Stil möglich. Auch dank einer betont liberalen Zuwanderungspolitik gegenüber Spätaussiedlern. Was Flüchtlingen und »Gastarbeitern« vorenthalten blieb, wurde den Russlanddeutschen gewährt: Eingliederungshilfen, die deutsche Staatsbürgerschaft und Sprachkurse.

Dies geschah ungeachtet der Tatsache, dass bereits Mitte der neunziger Jahre 80 Prozent der Spätaussiedler russisch und nicht deutsch sozialisiert waren. Erst das neue Zuwanderungsgesetz macht seit Januar 2005 für Angehörige einen erfolgreich bestandenen Sprachtest im Herkunftsland zur Einreisebedingung.

... Die Klage über mangelnde Integrationsmittel gehört zum Standardrepertoire der Diskussion über Zuwanderung. Tatsächlich gibt es für Spätaussiedler nur noch pauschaliertes Eingliederungs- statt Arbeitslosengeld, und auch die Dauer der Sprachkurse wurde reduziert, was misslich ist. Doch das Beispiel Marzahn lehrt, dass viele Integrationsprojekte zu einem Zeitpunkt ansetzen, an dem sie nur noch notdürftig und kostspielig an den Folgen deutscher Zuwanderungspolitik laborieren. Jahrzehntelang nährte insbesondere das bürgerliche Lager die Illusion, es handele sich bei Russlanddeutschen um eine kulturell deutsch geprägte Minorität, die in ihr Ursprungsland zurückkehre. Dass die vermeintlichen Heimkehrer sich zwar nicht rechtlich, aber mental und sozial in einer echten Einwanderungssituation befanden, wurde lange ausgeblendet. Erst spät wurde begonnen, zumindest punktuell zu erfassen, wo wie viele russlanddeutsche Zuwanderer leben, welchen Berufen sie nachgehen, ob sie straffälliger sind als Einheimische.

... Um mit einer Legende aufzuräumen: Der Zuzug Russlanddeutscher wurde gesetzlich nicht einfach mit »Blutszugehörigkeit« begründet, sondern mit der historischen Verantwortung, die man der deutschen Minderheit gegenüber empfand, da Russlanddeutsche im Zuge der hitlerdeutschen Invasion in die Sowjetunion aus ihren Siedlungsgebieten als Zwangsarbeiter hinter den Ural verschleppt wurden. Freilich traf dies, aus schlichten Altersgründen, in den Neunzigern nur noch auf eine kleine Gruppe zu.

... Spätaussiedler haben mit anderen Migranten gemein, dass ihre Zuwanderung weitgehend ungesteuert vonstatten ging. Zwar hat man sich mittlerweile auf einen Verteilungsschlüssel einigen können, mit dem die Spätaussiedler gleichmäßig auf die Bundesländer verteilt werden, doch berufliche Qualifikation und Schulbildung spielen bei der Zuwanderung bis heute keine Rolle. Offenkundig auch nicht bei der Beratung im Auswanderungsland. Die hoch Qualifizierten waren nach ihrer Ankunft in Deutschland überrascht, dass ihnen der Zugang zum Arbeitsmarkt durch fehlende Anerkennung ihrer Schul- und Berufsabschlüsse versperrt wurde. Und die russlanddeutsche Unterschicht ist mit der deutschen Massenarbeitslosigkeit konfrontiert. ..."

Quelle: www.zeit.de (Adam Soboczynski)

3 Comments:

Anonymous Anonym said...

Hallo!!

Ich finde ihren Artikel nicht schlecht, aber einige Dinge sind etwas verdreht. Ich bin selbst Russlanddeutscher und haben mich auch kritisch mit dem Thema auseinander gesetzt. Und woher kommt ihre Behauptung ,dass mehr als 80% der russischen Kultur zuzuordnen sind? Ich für meinen Teil sage ihnen ,das 90% der Russlanddeutschen mehr deutsch als russsich sind. Wenn es Mischehen sind ,ist ohnehin klar ,dass das Deutsche etwas mehr verloren geht als bei anderen. Der großteil ist jedoch deutsch! Die Russen , Kasachen usw. wollten uns nicht gehen lassen ,und so durften nur die gehen ,die echtes deutsches Blut hatten und immer als Faschisten und Kulaken beschimpft wurden mit ihren Ehepartner gehen (wobei hier die meisten deutsch sind). Es mag sein ,dass bei den neue russlanddeutschen Migranten die größere Zahl russisch "sozialisiert" ist, aber das ist immernoch der kleinste Teil. Sie gehen außerdem fast gar nicht auf die Verschleppung ein und die Zwangsarbeit , wenn die Bundesdeutschen dieses dunkle Kaptel kennen würden ,würden sie uns nie als Russen "beschimpfen". WIr haben gezeigt das wir deutsch sind, es sind viele von uns verhungert, erfroren, erschossen worden ,nur weil wir deutsch waren und sind. Wieso sind wir jetzt auf einmal nicht mehr Deutsch? Sagen sie mir bitte das? UNd wieso setzten sie Spätaussiedler mit Aussiedler gleich? Aussielder isnd integriert und machen keine Probleme. Die meisten "outen" sich auch nicht als diese! Deswegen gibt es auch dieses verzerrte Bild in Deutschland, würden sich alle RD als diese zeigen ,würde es gewisse Diskussionen gar nicht mehr geben!

Ich wurde immer als Faschist beschimpft! Ich habe zu meiner deutschen Nationalität gehalten ,meine halbe Familie ist aus diesem Grund umgekommen ,ich habe meinen halbes Leben gelotten aus diesem Grund! Und wieso soll ich dann russisch sozialisiert sein ,wie sie es sagen? Die meisten sind es nicht! Sie reden von einer Minderheit! Wir brigen einen Überschuss in unsere Rentenkasse, wir haben eine geringere Arbeitslosenquote, wir nehmen Berufe unter unserem Niveau an, da man uns Steine in den Weg legte und unsere Abschlüsse nicht anerkannte! Meine Mutter war Professorin in Alma-Ata und hier Zahnarzthelferin ,wieso sollte sie das machen ,wenn sie eine Russin wäre ,oder russisch "sozialisiert"? Sie macht das nur aus der Überzeugung Deutsche zu sein und sie möchte sicher gehen ,dass es ihre Kinder auch sind! Wir haben zu unsere Nationalität immer gestanden und sind heute noch stolz darauf ,wenn ein paar die Geschichte nciht kennen und Mist bauen ,kann man das nicht verallgemeinern und auf die ganze Volksgruppe beziehen!Es gibt auch viele Bundesdeutsche die Probleme machen und ich wieß es sind nicht alle so!

Und nicht ,dass es falsch rüber kommt , ich Unterscheide nicht zwischen Volks- und Bundesdeutschen, wir sind ein Volk!

mfg Eduard

24 November, 2006 23:08  
Blogger Stefan D. said...

Moin!

Nur noch einmal zur Klarstellung - es handelt sich nicht um meinen Artikel oder um meine Meinung, sondern es ist ein Auszug aus einem Artikel von Adam Soboczynski, der in der Wochenzeitung DIE ZEIT veröffentlicht wurde und über einen Link am Ende des Auszugs im Volltext erreichbar ist.

25 November, 2006 13:41  
Anonymous Anonym said...

Hallo Eduard, wir haben gerade deinen Eintrag gelesen und wir finden ihn einfach genial. Jedes Wort trifft einfach 100% zu. Im Ausland werden wir mehr akzeptiert als in Deutschland und man interessiert sich fuer unsere besondere deutsche Nationalitaet. Doch hier werden wir nicht akzeptiert.

11 Juni, 2011 15:50  

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